Santo Domingo / Sosua 20.Oktober 2009 gmm Er war eine der finstersten Gestalten der lateinamerikanischen Geschichte: der dominikanische Diktator Rafael Leónidas Trujillo. Doch für Hunderte Juden wurde er zum Retter vor dem Holocaust. Sie fanden in der Dominikanischen Republik eine neue Heimat.
Die unglaubliche Geschichte vom Karibik-Tyrannen als Wohltäter haben jetzt der Journalist Hans-Ulrich Dillmann und die Historikerin Susanne Heim untersucht. In dem Buch "Fluchtpunkt Karibik" schildern sie, wie die Opfer rassistischer Verfolgung aus Europa auf der anderen Seite des Atlantiks aus ebenfalls rassistischen Motiven willkommen geheißen wurden. Trujillo, eigentlich ein Bewunderer Hitlers, wollte die Juden nämlich als Einwanderer, weil sie Weiße waren. Sie sollten das damals noch dünn besiedelte Land landwirtschaftlich erschließen, sich mit der einheimischen Bevölkerung vermischen und diese «aufweißen». 1938 diskutierten Vertreter von 32 Staaten wortreich und ergebnisarm darüber, wie den bedrängten Juden zu helfen sei. Kein Land wollte sie haben, als unerwartet das Angebot aus Santo Domingo eintraf, 10.000 aufzunehmen. Kurz darauf erhöhte Trujillo auf 100 000. Tatsächlich fanden am Ende nur etwa 700 Siedler ihren Weg nach Sosúa im Norden der Insel. Doch sie prägten diesen Landstrich, der heute mit dem Flughafen von Puerto Plata ein beliebtes Ziel des Massentourismus ist.
(Quelle: Klaus Blume)